Trott-war unterwegs: die Secret Walls Gallery

In der Stuttgarter Bahnhofshalle sind derzeit 60 großformatige Graffiti in der Ausstellung „Secret Walls Gallery“ zu sehen. Wir haben für Sie vorbeigeschaut.

Zu sehen sind zum Beispiel eine Zug fressende Schlange oder ein Comic  über sich langweilende Tauben. „I’M BORED“, sagt die eine. „ME TOO“, sagt die andere. „Ja dann lass uns doch die Autos vollkacken“, schlägt die erste vor. „GREAT IDEA“. In der Durchgangshalle des historischen Hauptbahnhofs in Stuttgart sorgt dieser gezeichnete Dialog von El Bebbe Grande derzeit für viel Schmunzeln. Vor allem dann, wenn eine der echten Tauben vorbeifliegt, die es sich in dem Bonatzbau gemütlich gemacht haben.

Die Graffiti-Galerie ist eines von drei Kunstprojekten, die sich mit Wänden beschäftigen. Im Kunstmuseum und im StadtPalais wird es ab 26. September Ausstellungen zu Graffiti und Streetart geben.

Im Bonatzbau sprühten nur Künstlerinnen und Künstler, die seit Jahren im Stuttgarter Raum aktiv sind. Die meisten wollen sich nicht outen und ihre Anonymität wahren. Moritz Vachenauer, selbst seit 14 Jahren in der Szene tätig, hat 83 Künstlerinnen und Künstler jeden Alters zusammengetrommelt und ihnen nicht gesagt, wo sie sprühen dürfen. Die Überraschung war dann groß. „Es ist die perfekte Location“, sagt Roman de Laporte, der eine Würgeschlange malte. „Die zerquetscht einen Güterzug“, erklärt der Sprayer, der unter seinem Künstlernamen Jack-Lack agiert, Psychologie studiert hat und sich als „Vollzeitmaler“ bezeichnet.

Die Künstlerinnen und Künstler arbeiten auf Leinwand und Rigips-Platten. Der atmungsaktive Putz des denkmalgeschützten Gebäudes durfte nicht besprüht werden. 2.100 Quadratmeter Kunstfläche geben einen Überblick über alle Spielarten von Graffiti. Man sieht Figuren und Abstraktes, Schrift und Zahlenkombinationen. „Es ist interessant, wie die Passantinnen und Passanten, die hier sonst gesenkten Blicks durchrasen, plötzlich stehen bleiben“, stellt ein Sprecher der Bahn fest. Alle Sprayenden sagen, dass es vor allem schnell gehen muss. „Wenn ich mehr als zwei Tage brauche, wird es langweilig“, bekennt Jack-Lack.

Die Werke sind noch etwa zwei Monate in der Durchgangshalle zu sehen. Was anschließend mit ihnen passiert, sei noch unklar, teilen die Organisatoren mit. Es habe sich jedoch schon ein Museum sein Interesse bekundet.

Fotos: Christina Kirsch, Nico Nissen