Gegen den namenlosen Tod – Ein Ort zum Trauern

Die Grabanlage für Trott-war-Verkäufer liegt auf dem Hauptfriedhof in Stuttgart-Bad Cannstatt

„Wenn ich sterbe, dann dreht sich nicht mal der letzte Penner rum“, war Norbert Lück überzeugt. Der Trott-war-Verkäufer an der Bauern­markt­halle in Stuttgart-West verstarb Anfang März 2008 und es kam anders. Spontan richteten die Geschäftsleute der Bauernmarkthalle eine Gedenkstelle ein, legten ein Kondolenzbuch aus und sammelten Geld für sein Begräbnis. Seine Kinder entschieden jedoch, der Vater, den sie eigentlich gar nicht kannten, der sich all die Jahre nicht für sie interessiert hatte, sollte anonym im Massengrab auf dem Pragfriedhof beigesetzt werden – vom Amt bezahlt, aber namenlos.

Diese anonymen Beisetzungen geschehen in der Regel morgens früh, bevor auf dem Friedhof die ersten Besucher kommen. Dabei werden dann bis zu 160 Urnen zusammen in einem Grab beigesetzt. Danach erinnert nichts mehr daran, wer hier seine letzte Ruhe fand.

Durch den Tod von Norbert Lück wurde für Trott-war klar: Hier besteht Handlungsbedarf. „Trott-war ist für sehr viele unserer Verkäuferinnen und Verkäufer eine Art Ersatzfamilie, deshalb dürfen wir sie auch im Todesfall nicht alleine lassen“, so Geschäftsführer Helmut Schmid. Trott-war bietet deshalb seit 2008 seinen Verkäuferinnen und Verkäufern an, die Totenfürsorge zu übernehmen. Dabei wurde Trott-war von der Friedhofsamtsleitung und der Friedhofsgärtnerei großzügig unterstützt.

Den ersten Grabstein spendierte und entwarf Jochen Herzog, ein Steinmetz aus Kirchheim unter Teck. Dieser Quaderstein ist auf jeder Seite mit vier Inschriften versehen, sodass er für vier Gräber ausreicht. Trott-war trauert um Norbert Lück, Gisela Mielke, die vielen als Führerin der Stadtführung „Im Blickpunkt“ oder als talentierte Schauspielerin des Trott-war-Theaters bekannt war, und um Günther Jonigkeit, der charmante Geschichtenerzähler. Ihnen folgten Hans-Peter Grüner, Walter Henecka, Anton Lugert, Heinz-Peter Lüttgens, Marian Trytko und Inge Klose auf ihrem letzten Weg. Sie alle sind auf der Trott-war-Grabanlage bestattet.

Schon zu Lebzeiten können unsere sozial benachteiligten Verkaufenden ein Schriftstück unterzeichnen, das Trott-war legitimiert, sich um Begräbnis und Trauerfeierlichkeiten zu kümmern. Das bedeutet, der Verein Trott-war kauft Gräber, kümmert sich um die Organisation der Trauerfeier und die Beisetzung sowie die Grabpflege und den Grabstein – ein in Stuttgart einmaliges Angebot. Damit verschwindet niemand mehr namenlos und anonym, und für die Hinterbliebenen bleibt ein Ort zur Trauer. 

Wo ist die Grabanlage?

Die Trott-war-Grabstätte liegt auf dem Hauptfriedhof Stuttgart-Bad Cannstatt, Steinhaldenstraße 52, 70378 Stuttgart
Abteilung 93A/03, Grabstätte 14

Nicht im Schatten, nicht am Rand – Eindrücke von der letzten Ruhestätte unserer ehemaligen verstorbenen Kolleginnen und Kollegen

Die Trott-war-Grabanlage auf dem Hauptfriedhof Bad Cannstatt

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