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Vorbild „Housing First“ – eine Leitlinie im sozialen Wohnungsbau der Ambulanten Hilfe e.V.

Wohnraum mit wenig Wenn und Aber

Das Prinzip des „Housing First“, welches der US-amerikanischen Sozialpolitik entspringt, wird in weiten Teilen auch bei der Ambulanten Hilfe e.V. angewendet. Es beruht auf der Idee, dass den Wohnsitzlosen zuallererst eine Wohnung zur Verfügung gestellt wird, ohne dass diese in Beratungen und Therapien ihre Wohnfähigkeit unter Beweis stellen müssen oder dass die Abstinenz von Drogen und Alkohol zur Bedingung gemacht wird.

Von Nik Schumacher

Die Ambulante Hilfe e.V. baut seit Mitte der 1980er Jahre geförderte Sozialmietwohnungen für Menschen in Wohnungsnot. Damals wie heute war es für finanziell schlecht gestellte Menschen sehr schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Deshalb entschloss sich die Ambulante Hilfe selbst zu bauen und erhielt dafür sogenannte Erbbaurechtsgrundstücke von der Landeshauptstadt Stuttgart.

Das bedeutet, dass jene Grundstücke, solange sie an berechtigte Mieterinnen und Mieter vermietet werden, mit einem Erbbauzins von 0,4 Prozent des Bodenwertes pro Jahr nur mit einem Zehntel des üblichen Preises berechnet werden. Insofern ist es mithilfe von Darlehen sowie Zuschüssen des Landes Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart und des Diakonischen Werks Württemberg möglich, auch sozial benachteiligten Personen eine bezahlbare Wohnung zu bieten.

Die Dringlichkeit ist entscheidend

Derzeit beläuft sich der Bestand der Ambulanten Hilfe e.V. auf 143 eigene Sozialmietwohnungen, welche knapp 190 Personen in verschiedenen Stadtteilen Stuttgarts beherbergen. Die Wohnungen sind belegungs- und preisgebunden. Nur diejenigen Mieterinnen und Mieter, die in Besitz eines sogenannten „Wohnberechtigungsscheins A“ der Stadt Stuttgart sind, der ihnen den dringenden Bedarf attestiert, sind zur Miete der Wohnungen berechtigt. Die Regelungen des sozialen Wohnungsbaus und Förderprogramme bestimmen die Höhe der Mietpreise. Momentan belaufen diese sich im Durchschnitt auf etwa sieben Euro.

Nach dem Prinzip des „Housing First“ wird bei der Vergabe der Wohnungen in erster Linie nach Dringlichkeit entschieden. Es spielt allerdings auch eine Rolle, ob der Klient zur Hausgemeinschaft passt. Frei werdende Wohnungen werden in den vereinseigenen Beratungsstellen ausgeschrieben und nach Absprache mit den dort arbeitenden Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern werden die Wohnungen an entsprechende Interessenten vergeben. Zum Zeitpunkt der Vermietung befinden die Interessentinnen und Interessenten in Beratung. Diese ist aber nicht als Bedingung an den Mietvertrag gekoppelt und endet häufig nach einiger Zeit, wenn sie nicht mehr benötigt wird.

Positive Aussichten

Insgesamt läuft das Geschäft sehr zufriedenstellend und deckt sich auch finanziell selbst. Jedoch rückt bei einigen Bauprojekten, die etwas in die Jahre gekommen sind, auch das Thema Sanierung mehr und mehr in den Fokus. Aktuell befindet sich ein weiteres Haus mit acht Wohnungen in Stuttgart-Zuffenhausen in Arbeit, welches voraussichtlich im August 2021 fertiggestellt werden wird.