Im Laufe des Jahres 2018 waren rund 678.000 Menschen (Jahresgesamtzahl) in Deutschland ohne Wohnung. So schätzt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W). Geschäftsführerin Werena Rosenke erklärt: „Gegenüber dem Vorjahr 2017 bedeutet dies einen Anstieg bei der Jahresgesamtzahl um 4,2 Prozent. Dabei stieg die Zahl der wohnungslosen Menschen ohne Einbezug wohnungsloser anerkannter Geflüchteter mit 1,2 Prozent weniger an als die Zahl der wohnungslosen anerkannten Geflüchteten mit 5,9 Prozent. Beim Vergleich der Stichtagszahlen für den 30.06.2017 und 30.06.2018 stellen wir einen deutlich stärkeren Anstieg der Zahlen fest. Am Stichtag 30.06.2018 steigt die Zahl der Wohnungslosen im Vergleich zum Stichtag 30.06.2017 um 19 Prozent. Bei den wohnungslosen Menschen ohne Einbezug der wohnungslosen Geflüchteten steigt die Zahl um ca. 11 Prozent, bei den anerkannten Geflüchteten um ca. 22 Prozent.“

Jahresgesamtzahl 2018 und Stichtagszahl 30.06.2018

Ab der Schätzung 2017 kann die BAG W aufgrund eines neuen verbesserten Schätzmodells neben den Jahresgesamtzahlen auch Stichtagszahlen für den 30.6. eines Jahres schätzen. Die Jahresgesamtzahl der wohnungslosen Menschen ohne Einbezug wohnungsloser anerkannter Geflüchteter lag bei gut 237.000. Die Zahl der wohnungslosen anerkannten Geflüchteten schätzt die BAG W auf ca. 441.000 Menschen. Seit dem Jahr 2016 schließt die BAG W in ihre Schätzung die Zahl der wohnungslosen anerkannten Geflüchteten ein. Am Stichtag 30.06.2018 waren nach Schätzung der BAG W insgesamt ca. 542.000 Menschen in Deutschland wohnungslos, davon circa 140.000 Wohnungslose im kommunalen und frei-gemeinnützigen Hilfesystem und circa 402.000 wohnungslose anerkannte Geflüchtete in zentralen Gemeinschaftsunterkünften oder in dezentraler Unterbringung.

Rosenke: „Mit der Jahresgesamtzahl werden auch die Menschen erfasst, die vor dem Stichtag wohnungslos waren, es aber zum Stichtag nicht mehr sind und auch diejenigen, die erst nach dem Stichtag wohnungslos werden. Deshalb liegt eine Jahresgesamtzahl immer deutlich höher. Sie misst im Unterschied zu einer Stichtagszahl die tatsächliche Zahl der von Wohnungslosigkeit im Verlauf eines Jahres betroffenen Menschen und bildet somit das gesellschaftliche Ausmaß des Problems besser ab. Die deutlich gestiegene Stichtagszahl gibt einen Hinweis darauf, dass die durchschnittliche Belastung der vorhandenen Kapazitäten der Beratungsdienste, Tagesaufenthalte, niedrigschwelligen Versorgungsangebote und der Unterbringungsangebote stark angestiegen ist. Eine entsprechend bessere finanzielle und personelle Ausstattung ist geboten.“