Trott-war bei der internationalen Konferenz der Straßenzeitungen in Hannover

In Hannover kommen in dieser Woche soziale Straßenzeitungen aus aller Welt zusammen. Zu dieser Jahreskonferenz werden 120 Delegierte aus 25 Ländern erwartet. Zugleich wird in Hannover ein Mehrfach-Jubiläum gefeiert: Zum einen werden Trott-war und das Hannoveraner Straßenmagazin Asphalt – in diesem Jahr Ausrichterin der Tagung – 25 Jahre alt. Und: Auch das Internationale Netzwerk der Straßenzeitungen INSP feiert sein 25-jährigs Bestehen.

Zu solchen Anlässen wirft man gern einen Blick zurück: 1987 gründete sich die erste Straßenzeitung in New York, ein paar Jahre später dann in Europa und weltweit. Heute gibt es Straßenzeitungen in 35 Ländern der Welt, gemeinsam erreichen sie regelmäßig rund fünf Millionen LeserInnen und unterstützen etwa 21.000 Wohnungslose und Menschen in Krisen beim Weg (zurück) in ein selbstbestimmtes Leben.

Auch im deutschsprachigen Raum gründeten sich Anfang der 1990er Jahre angesichts einer manifesten Wohnungs- und Armutskrise, die der heutigen ganz ähnlich ist, Straßenzeitungen und -magazine. Die Kolleginnen und Kollegen von Hinz&Kunzt (Hamburg) und BISS (München) haben schon im vergangenen Jahr ihre 25-jährigen Jubiläen begangen. Asphalt (Hannover) und Trott-war (Württemberg) feiern dieses Jahr. „bodo“ (Bochum, Dortmund) wird im kommenden Jahr 25 Jahre alt.

„Das Besondere am Straßenzeitungen ist auch, dass sie alle aus sich selbst heraus entstanden sind, aus eigenen Wünschen heraus entstanden und gewachsen“, sagt Volker Macke, Asphalt-Redaktionsleiter und Sprecher der deutschsprachigen Straßenzeitungen. Bastian Pütter, Redaktionsleiter des Bochum-Dortmunder Straßenmagazins bodo und ebenfalls Sprecher der deutschsprachigen Straßenmagazine, ergänzt: „Als professionelle JournalistInnen in einem besonderen Feld erzählen wir von Menschen, die sonst niemand sieht.“

Vier Tage lang werden insgesamt 120 Delegierte aus 25 Ländern die Köpfe zusammenstecken. Sie diskutieren aktuelle Fragen zu kommenden Herausforderungen: Wie sind Straßenmagazine in puncto Digitalisierung aufgestellt? Welches Gleichgewicht finden Vertrieb, Redaktion, Sozialarbeit und Fundraising: Wie wandeln sich Straßenmagazine durch Digitalisierung? Wie lässt sich ein Gleichgewicht finden zwischen sozialer Arbeit, Journalismus mit Haltung und dem Anspruch, eine Lobby für die, die keine Stimme haben?

„Was unser Netzwerk auch besonders macht, ist, dass wir Erfahrungen teilen können und das tun, sei es in Fragen redaktioneller Arbeit, Vertrieb oder Fundraising“, sagt Bastian Pütter. Wir sind zwar zum Teil ziemlich unterschiedlich aufgestellt, eine Idee eint uns aber: Journalismus trifft Soziale Arbeit. Und diese Idee hält jetzt seit 25 Jahren.“

Bildunterschrift: Schon am Montag kamen die deutschsprachigen Straßenmagazine zu einer eigenen Mini-Konferenz zusammen. Foto: bodo e.V./Sebastian Sellhorst